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  • Flüchtlinge nehmen die Arbeitsplätze weg.
    Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des oben genannten Arguments,

    Sie sind auf Jobsuche?

    Folgend möchte ich Ihnen ein paar gute Tipps mit auf den Weg geben. Bewerbungen bei den hier beschriebenen Firmen versprechen meist einen schnellen Erfolg .:

    ERSTER TIPP:
    Amazon sucht für seine Lagerarbeit permanent Mitarbeiter. Sie werden engmaschig über-wacht und vor Weihnachten dort anzufangen ist nicht ratsam. Die Firma macht in dieser Zeit viele Verträge bis zum 31.12.. Dann ist das Weihnachtsgeschäft vorbei und dann …

    Ansonsten ein super Arbeitgeber. Wer Hilfe bei der Bewerbung über das Internetportal der Firma benötigt melde sich bitte.

    ZWEITER TIPP:
    Zeitarbeitsfirmen vermittelt viele niedrigschwellige Jobs. Beschiss um bis zu 25% des Gehalts, durch falsch berechnete Arbeitsstunden, muss bei den meisten nach meiner Erfahrung einkalkuliert werden. - Das Leben ist halt kein Wunschkonzert, nicht wahr?

    Abgesehen davon eine klasse Möglichkeit für alle, die schnell in Arbeit kommen wollen.

    Für diejenigen, die zudem keinen Wert auf eine verlässliche wöchentliche Stundenzahl (und somit ein verlässliches Gehalt) legen und denen es egal ist, ohne Hemmungen in einem zickigen, überheblichen Ton angefahren zu werden, habe ich eine spezielle Adres-se. Schreiben Sie mich bei Interesse gerne an.

    Lagerarbeit biete prinzipiell viele Vorteile. Zum einen spart sie Zeit und Geld für ein Sportstudio. Durch das Tragen schwerer Kisten und das Marschieren durch z.T. große Hallen in zügigem Tempo wird man optimal fit gehalten.
    Zum anderen ist sie sehr förderlich für die Charakterbildung. Der Schichtdienst mit Ein-sätzen rund um die Uhr schult in geradezu idealer Weise in Demut – wie auch die oftmals auftretenden Rückenschmerzen. (Bei uns hatten im Laufe der Zeit eine Reihe junger, kräftiger Männer Rückenprobleme.)
    Alles in allem ein echter Traumjob, wie Sie sicher schon erkannt haben.

    DRITTER TIPP:
    McDonalds ist auch immer eine gute Adresse für eine Bewerbung.

    VIERTER TIPP:
    die Straßenreinigung
    Die Halsabschneiderei des Chefs der Firma, die an meinem Arbeitsort zuständig war, ging weit über das hinaus, was wir sonst gewohnt waren. Ein Bewohner ist deswegen, voll-kommen zu Recht, vors Arbeitsgericht gezogen.
    Ich habe mal die Aussage gehört, dass dieser Chef bewusst nur Ausländer einstellt weil diese, aufgrund ihrer Unwissenheit, besser „über‘s Ohr zu hauen sind“. Für unwahr-scheinlich halte ich diese Theorie nicht.
    Auch diese Firma sucht immer, Sie haben beste Chancen.

    FÜNFTER TIPP:
    Wer die Arbeit so sehr liebt, dass ihm Stundenzahl und Gehalt vollkommen egal ist, kann gerne bei einer der Firmen anfangen, in denen „meine Bewohner“ kurz nach Ankunft in Deutschland beschäftigt waren. In dieser Zeit hatten sie noch keine Ahnung vom deut-schen System.
    Wenn jemand dort anfangen möchte stelle ich gerne einen Kontakt her.

    Dies sind die Firmen bei denen die Flüchtlinge, die ich die letzten zwei Jahre unterstützt habe, vornehmlich gearbeitet haben.

    Ich würde es sehr begrüßen, währen dort künftig mehr deutsche Mitarbeiter beschäftigt. Diese würden die Flüchtlinge von den Arbeitsstätten verdrängen und so hätte die von Ihnen sehr richtig benannte Situation, dass Flüchtlinge Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen, endlich ein Ende.

    Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen




    der imperialist am 29.Sep 19  |  Permalink
    Darf ich fragen was sie beruflich machen?

    wartet.auf.ihre.seele am 29.Sep 19  |  Permalink
    Willkommen auf meinem Blog.
    Ich bin Sozialpädagogin.

    der imperialist am 29.Sep 19  |  Permalink
    Danke. Sehr freundlich. Eventuell leben sie ja dann in einem anderen Bezugssystem wie Flüchtlinge. Sogar wenn sie Flüchtlinge bei sich wohnen lassen oder wie z.B. ich als Österreicher mit entsprechenden Reisepass und mein Kumpel Simba aus Nigeria (Identitätsschutz) der vorm Hofer/Aldi die Obdachlosen verkauft und der seit Montag dieser Woche ein Visum für den EWR-Raum für 5 Jahre erhalten hat. Wir sind gute Kumpels. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht dass wir in völlig anderen Welten bzw. Systemen leben. Ab einem gewissen Punkt gibt es dann keine Annäherung mehr. Denn für einen Menschen aus Afrika, der eventuell bei Amazon einen Job bekommt, ist dass zum Einstieg hin eine wunderbare Sache. Sie stellen ja über die Bande von Flüchtlingen die Systemfrage. Müssen aber die Antwort schuldig bleiben warum mein Kumpel aus Afrika hier von jetzt auf nun nicht als Sozialpädagoge arbeiten kann, eventuell statt ihnen. Meine Erfahrung. Nicht mal die Folgen des Kolonialismus haben einen Preis aktuell. Egal ob man aus Nigeria stimmt oder hier um die Ecke geboren wurde in Wien. Der Augustin kostet immer 2,50 Euro. So gesehen ist Armut in welchen Form auch immer im Kapitalismus der einzige Gleichmacher unter den verschiedenen Nationalitäten. Aber sobald z.B. ein Afrikaner einen Job hier hat mit dem der seinen Lebensunterhalt bestreiten kann vergrößert sich sein ökologischer Fußabdruck schlagartig und schon wird der Mensch in seinem Verhalten klimatischen bedenklich. Noch so eine Systemfrage auf die ich keine Antwort weiß.

    wartet.auf.ihre.seele am 29.Sep 19  |  Permalink
    ZITAT: „Denn für einen Menschen aus Afrika, der eventuell bei Amazon einen Job bekommt, ist dass zum Einstieg hin eine wunderbare Sache.“
    Ihre Auffassung dass Menschen, die aus einem anderen gesellschaftlichen System kommen, niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten brauchen, teile ich.

    Mit meinem Beitrag kritisiere ich die Arbeitsbedingungen der genannten Firmen. Diese sind oftmals besch…, und das für alle Mitarbeiter, unabhängig ihrer Herkunft.

    Und ich kritisiere die Ausnutzung fehlender Rechtskenntnisse vieler Flüchtlinge durch manche Firmen. Diese ist nach meiner Information zunehmend.

    Der eigentliche Tenor dieses Artikels sollte sein den Deutschen, die der Auffassung sind Flüchtlinge nehmen ihnen die Arbeitsplätze weg, vor Augen zu führen, dass die von den Zugewanderten übernommene Arbeit für viele Deutsche gar nicht attraktiv ist. Und wenn doch, steht einer Arbeitsaufnahme durch Einheimische nichts ent-gegen, weil in den genannten Branchen immer gesucht wird.

    der imperialist am 29.Sep 19  |  Permalink
    Ich muss mich dahingehend von ihrer Argumentation absetzen dass Flüchtlinge nicht den Deutschen oder Österreicherin die Arbeit wegnehmen, sondern ins "Sozialsystem" einwandern und damit von jetzt auf nun gleichgestellt werden. Gerne über die sogenannte Asylscheine. So zumindest nehme ich die Situation war. Dahin zielt hier der Vorwurf. Ob der Vorwurf berechtigt ist. Na in Einzelfällen sicherlich. Aber nicht als gröbere Verschwörung.

    wartet.auf.ihre.seele am 29.Sep 19  |  Permalink
    ZITAT: „Aber sobald z.B. ein Afrikaner einen Job hier hat mit dem der seinen Lebensunterhalt bestreiten kann vergrößert sich sein ökologischer Fußabdruck schlagartig (…) Noch so eine Systemfrage auf die ich keine Antwort weiß.“

    Auf der Internetseite von Brot für die Welt habe ich letztens meinen ökologischen Fingerabdruck bestimmen lassen. Laut Auswertung liege ich leicht unter dem deutschen Durchschnitt. Würde die gesamte Weltbevölkerung meinen Verbrauch haben, bräuchten wir dennoch 2 1/2 Erden.
    Ein Bekannter von mir zweifelte die Genauigkeit dieser Berechnung an. Selbst, wenn wir „großzügig auf 1 1/2 Erden abrunden“, wäre das um 50% zu viel Verbrauch.
    Meine spontane Antwort auf Ihre oben zitierte Frage ist die, dass wir alle die Größe unseres Fußabdrucks gewaltig reduzieren müssen, egal woher wir kommen.

    Individuelles Vorgehen jedes Einzelnen ist bei diesem Vorhaben wahrscheinlich nicht weitreichend genug. (Zu diesem Thema habe ich letztens eine interessante Theorie gelesen. Auf diese werde ich in einem späteren Beitrag noch eingehen.) Es braucht meines Erachtens politische Entscheidungen, die den ökologischen Fußabdruck eines jeden von uns verkleinern - auch die der Flüchtlinge.

    wartet.auf.ihre.seele am 29.Sep 19  |  Permalink
    ZITAT: „So zumindest nehme ich die Situation war. Dahin zielt hier der Vorwurf.“

    Ich würde sagen, es gibt beide Vorwürfe - und noch einige mehr. :-)