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  • Strafen dienen der Besserung des Kindes
    Heute war ich in einem Kreis, in dem wir u.a. über den Umgang mit Schützlingen in Kinderheimen gesprochen haben.
    Wie leben im 21. Jahrhundert und haben uns immer noch nicht von der Vorstellung verabschiedet, junge Menschen mit rigider Bestrafung bessern zu können.
    Wusstet Ihr, dass in manchen Kinderheimen über Nacht Sicherheitsdienste eingesetzt werden?
    Irgendwann in diesem Gespräch kam mir der Gedanke, dass wir im Kern unseres Wesens noch nicht weiter sind als unsere Vorfahren, die irgendwann von den Bäumen geklettert sind.
    Was haben all unsere zivilisatorischen Errungenschaften für einen Wert, wenn wir es nicht schaffen gut miteinander umzugehen?

    ________________

    Und dann durfte ich miterleben wie mein alter, kluger, bescheidener, angesehener Professor, ein überzeugter Demokrat mit großer Freude an kontroversen Diskussionen, von einem "jungen Ding" ohne Respekt und Benimm angefahren worden ist.

    Ich geh' schlafen.




    genium am 11.Dez 19  |  Permalink
    Erziehung
    ist ein heikles Thema, aber ganz ohne Bestrafung geht es im ganzen Leben nicht und auch nicht in Kinderheimen. Ich denke aber, dass sich gegen früher schon etwas geändert hat und man die Kinder (hoffentlich) zumindest nicht mehr schlägt, so wie es früher ja üblich war. Und was den Umgang miteinander betrifft, hat sich m.E. in den letzten Jahren viel verändert, aber nicht gerade zum Positiven!

    Also, einen schönen Tag dir
    und liebe Grüße an dich!!

    wartet.nicht.mehr am 19.Dez 19  |  Permalink
    Moin genium,
    an dieser Stelle steht noch meine Antwort aus, entschuldige bitte.

    Ob Kinder in Heimen geschlagen werden weiß ich nicht.
    Was ich weiß ist, dass sie teilweise durch zwei/drei Pflegefamilien gegangen sind, bevor sie im Pubertätsalter in ein Heim kommen.
    Und ich weiß, dass ein Personalschlüssel von 1:10 Kindern einer Altersspanne von null bis 18 Jahren, zu betreuen in 24-h-Schichten, normal ist. (Ich hatte vor drei Jahren ein Vorstellungsgespräch in einem Kinderheim.)
    Zudem habe ich im Sommer eine Frau von geschätzt Mitte Sechzig getroffen, die ihren 16jährigen Enkel nach drei Jahren Heimaufenthalt zu sich genommen hat. Sie meinte, in den Heimen sei die Zeit stehen geblieben.
    Durch meine Erfahrung mit unschönen Verhältnisse in Behindertenheimen, hat mich diese Äußerung nicht vollkommen irritiert.
    Die Ergebnisse der Arbeit des Arbeitskreises gehen in die gleiche Richtung.

    Den Einsatz von Sicherheitsdiensten in Kinderheimen finde ich aus zweierlei Gründen fragwürdig.
    Zum einen wird durch diesen das Menschenbild, welches die Verantwortlichen von den Kindern haben, deutlich. Von diesem leiten sich die Erwartungen an die Kinder ab, was sich wiederum auf das Verhalten, ihnen gegenüber, auswirkt.
    Kein Mensch agiert unabhängig vom Verhalten seines Umfeldes, er handelt in Wechselwirkung. So werden auch die Kinder auf die Art und Weise, in der ihnen begegnet wird, entsprechend reagieren. (Entschuldigung meinen "Fachvortrag", iss halt mein Job. )

    Bei dem Stichwort "Umgang mit den Kindern" bin ich bei meinem zweiten Kritikpunkt am Einsatz von Sicherheitskräften. Während meiner Arbeit in der Flüchtlingshilfe habe ich diese Branche und ihre Mitarbeiter kennengelernt.
    Irgendwann einmal habe ich die Aussage gehört, dass die Auflagen zur Eröffnung eines Friseursalons höher sind als die zur Gründung einer Sicherheitsfirma. Zudem haben diese Firma Schwierigkeiten, Personal zu finden, sie nehmen "ALLES, was Beine hat", so meine Erfahrung.
    Wenn man Glück hat bekommt man Mitarbeiter mit einem gesunden Maßstab an Einfühlungsvermögen, Verantwortungsgefühl, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen.

    Es kann aber auch passieren, dass die Wachdienste wenig Gespür für ihren Einfluss auf die Gruppe haben und hierdurch Unruhe und Irritation verbreiten.
    "Dumm ist auch", wenn es ihnen an Selbstwertgefühl und Durchsetzungsvermögen mangelt. Dieses versuchen sie z.T. mit übertrieben energischem Verhalten auszugleichen.
    Letztere Verhaltensweisen im Umgang mit Kindern, die mental eh schon instabil sind, finde ich fatal.

    Prinzipiell bin ich eine starke Verfechterin von angemessener, für den Betreffenden nachvollziehbarer Konsequenz.
    Und auch den Zweifel an manchen Umgangsformen der heutigen Zeit teile ich. Ich denke, das bringe ich hier im Blog oft zum Ausdruck.

    Have a nice day!
    wartet.nicht.mehr